[Rezension] Herz aus Nacht und Scherben von Gesa Schwartz

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Titel: Herz aus Nacht und Scherben
Autorin: Gesa Schwartz
Verlag: cbt
Erscheinungsdatum: 03. Oktober 2016
ISBN-13: 978-3570164501
Preis: 17,99(Hardcover) und 13,99€ (eBook)
Seitenzahl: 544
Genre: Fantasy
Leseprobe: hier




Fernab vom Trubel der Weltmetropole Paris, wo sie gemeinsam mit ihren Onkel Mathis lebt, verbringt die 17-jähirge Milou das erste Mal seit dem Tod ihrer Eltern die Sommerferien bei ihrer Großmutter in Venedig. Schnell lassen die verschlungenen kleinen Gässchen das Venedig ihrer Kindheit wieder lebendig werden und schon bald schwinden die dunklen Schatten der Vergangenheit.

Doch ein geheimnisvoller Nebel liegt über der Stadt. Sie durchziehen die Gassen und Kinder verschwinden spurlos, sobald sie in die Fänge des Nebels geraten. Inmitten des Nebels begegnet Milou einem Fremden, der nicht von dieser Welt zu sein scheint: dem Rabenwandler Nív. Gemeinsam folgen sie der Spur der verschwundenen Kinder, die sie tief in die Welt der Scherben hineinführt. Dabei kommen sich die beiden langsam näher, doch Milou muss achtgeben, dass sie sich nicht in den Schatten verliert, die Nív umgeben...



Milou:

Milou lebt mit ihrem Onkel Mathis in Paris, der im Gegensatz zu seiner verträumten Nichte, die Dinge stets rational sieht und keinen Platz für ein bisschen Fantasie in seinem Alltag freihält. Jede seiner Entscheidungen ist karrierebezogen und das bekommt auch Milou zu spüren, denn Mathis schickt sie unermüdlich auf teure Privatschulen. Milous Eltern starben vor einigen Jahren bei einem Schiffsunglück in Venedig. Ihre Großmutter lebt noch immer in der Kanalstadt und obgleich Milou noch immer schlechte Erinnerungen mit Venedig verbindet, so liebt sie doch die Verworrenheit der kleinen Gässchen und freut sich auf den Besuch bei ihrer Nonna.

Nív:

Nív ist ein Rabenwandler und stammt aus dem Reich der Scherben. Er ist ein Mensch wie Milou, in dessen Brust jedoch ein Herz aus zerbrochenen Träumen schlägt. Als Wandler besitzt er die Fähigkeit, sich in einen Raben zu verwandeln. Auch wenn Milou es nicht ahnt, so war Nív doch ihr ganzes Leben lang schon an ihrer Seite. Denn Milou hat ihn vom ersten Augenblick an fasziniert und eine nie gekannte Sehnsucht in ihm geweckt...


Die Covergestaltung ist richtig gelungen, auch wenn das Äußere des Buchs natürlich für die eigentliche Bewertung außen vor bleibt. Von Gesa Schwartz kenne ich bereits einige Bücher und wie gewohnt ist ihr Schreibstil sehr detailreich. Sie verwendet gerne Vergleiche, um das Gesagte noch deutlicher zu machen. Diese fallen gerne etwas poetisch aus und ziehen sich so manches Mal über mehrere Zeilen. Dennoch wirken sie nie fehl am Platz und tragen die zumeist düstere Atmosphäre. Dennoch hat es die Autorin leider nicht geschafft, ein wirkliches Bild in meinem Kopf entstehen zu lassen. Trotz der vielen Vergleiche und Umschreibungen, waren die Wesen der Scherbenwelt doch irgendwie nicht richtig greifbar für mich. Venedig hingegen ist wirklich traumhaft dargestellt. Die Stadt scheint voller Geheimnisse zu stecken und die malerischen kleinen Gässchen machen richtig Lust darauf, Venedig selbst einmal zu erkunden.

Auch mit der Handlung an sich hatte ich doch einige Probleme. Der rote Faden war zu erkennen, dennoch viel es mir sehr schwer, richtig in die Geschichte hineinzufinden. Es hat wirklich lange gedauert, bis der Funke endlich übergesprungen ist und doch hatte ich zum Ende hin das Gefühl, die zeitweise doch etwas verworrene Story nicht vollkommen erfasst zu haben. Zudem ist das gesamte Tempo der Erzählung doch recht träge, sodass es sich angefühlt hat, als würde man nicht richtig von der Stelle kommen.

Milou ist als Hauptprotagonistin wirklich passend für das Buch. Sie ist eine Träumerin, die sich gerne in Büchern verliert und war mir auf Anhieb sympathisch. Auch wenn ihr Onkel es nur ungerne sieht, so hat sie sich ihre kindliche Fantasie doch bewahrt und sieht in jedem Schatten ein neues Abenteuer. Deshalb ist sie auch alles andere als überrascht, als Nív ihr offenbart, dass neben dem Venedig, wie Milou es kennt, noch eine zweite Welt existiert. Das Reich der verlorenen Gedanken, der zerschlagenen Träume, der unvollendeten Geschichten und vergessenen Wünsche – die Welt der Scherben, aus der auch Nív stammt. Diese ist wirklich komplex und man muss sich vollkommen darauf einlassen, um alle Zusammenhänge erfassen zu können. Nív ist im Gegensatz zu Milou von Anfang an sehr verschlossen und geheimnisvoll. Es ist offensichtlich, dass er ein Geheimnis hütet. Milou fällt es schwer, einen Draht zu ihm aufzubauen, da er ihre Annäherungsversuche abblockt und sich ihr gegenüber sehr kalt verhält. Dennoch ist er immer zur Stelle, wenn sie ihn braucht und gemeinsam versuchen sie die Welt der Scherben vor ihrem Zusammenbruch zu bewahren. Die Beziehung der beiden entwickelt sich sehr langsam und zaghaft, denn eine Liebe zwischen den Welten ist nicht möglich. Keiner kann dauerhaft in der Welt des anderen leben, ohne daran zu zerbrechen. 

„Herz aus Nacht und Scherben“ ist sicherlich keine ganz leichte Kost und auch nichts für jedermann. Mir hat besonders das Setting in Venedig gefallen, wohingegen die Welt der Scherben für mich doch recht blass geblieben ist. So ganz wollte sich der Zauber der Geschichte bei mir also nicht entfalten, auch wenn das Buch doch viele gute Ansätze bietet!


Gesa Schwartz wurde 1980 in Stade geboren. Sie hat Deutsche Philologie, Philosophie und Deutsch als Fremdsprache studiert. Nach ihrem Abschluss begab sie sich auf eine einjährige Reise durch Europa auf den Spuren der alten Geschichtenerzähler. Für ihr Debüt „Grim. Das Siegel des Feuers“ erhielt sie 2011 den Deutschen Phantastik Preis in der Sparte Bestes deutschsprachiges Romandebüt. Zurzeit lebt sie in der Nähe von Hamburg in einem Zirkuswagen.



Vielen Dank an cbt  für die Bereitstellung
dieses Rezensionsexemplars!

4 Kommentare:

  1. Huhu!

    Von der Autorin will ich eigentlich schon seit Ewigkeiten mal was lesen - und das nicht nur, weil die Cover immer so schön sind! :-)

    Die Geschichten klingen alle gut, und auch diese hier reizt mich gerade total. Ich liebe es, wenn der Schreibstil poetisch ist, da kann ich es sogar verzeihen, wenn die Geschichte ein paar Schwachpunkte hat.

    Sehr schöne Rezension!

    Ich habe diesen Beitrag HIER für meine Kreuzfaht durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

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    1. Hallo Mikka :)

      Oh ja, die Cover sind wirklich immer ganz toll! Ich habe schon ein paar Geschichten von Gesa Schwartz gelesen, aber ich muss leider sagen, dass mir die letzten leider immer schwächer vorgekommen sind. Die Grim-Reihe fand ich noch ganz toll, aber jetzt ist irgendwie die Luft raus... Mal sehen, ob ich in Zukunft also noch ein Buch von ihr lesen werde ;)

      Liebe Grüße

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  2. Hi Lisa,

    mir gefällt der Schreibstil von Gesa Schwartz total gut, aber "leichte Kost" ist das Buch tatsächlich nicht. Bei mir gab es auch 4 Sterne und ich bin gespannt, was als nächstes von der Autorin heraus kommt.

    Liebe Grüße
    Desiree

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    1. Huhu Desiree!

      Ihren Schreibstil finde ich auch wirklich toll, nur dieses Mal ist die Welt der Scherben leider nicht so farbenfroh ausgefallen, wie ich es mir eigentlich erwartet hatte. Ich bin auch schon gespannt, welches Buch als nächstes erscheint, aber noch sehr sehr unschlüssig, ob ich es lesen werde...

      Liebe Grüße

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