[Rezension] Sakura - Die Vollkommenen von Kim Kestner

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Titel: Sakura - Die Vollkommenen
Autorin: Kim Kestner
Verlag: digi:tales
Erscheinungsdatum: 23. März 2017
ISBN-13: 978-3401840017
Preis: 16,99 (Hardcover, ab Juni 2017) und 3,99€ (eBook)
Seitenzahl: 446
Genre: Dystopie
Leseprobe: hier




Noch nie in ihrem Leben hat Juri das Licht der Sonne erblickt. Denn sie lebt ganz unten, auf Ebene eins in einem unterirdischen Höhlensystem. In einem gesellschaftlichen Niemandsland, in dem die Menschen weder ausreichend Platz noch genügend Nahrungsmittel haben. Jedes Jahr zum Geburtstag des kaiserlichen Thronfolgers, der auf der obersten der insgesamt sechs Ebenen gemeinsam mit seinem Gefolge lebt, lässt der kaiserliche Herrscher in seiner Gnade Zuckerblüten durch das Ventilationssystem auf sein Volk regnen. Doch dieses Jahr entschließt sich der Kaiser dazu, einer Gruppe Auserwählter das warme Sonnenlicht der oberen Ebenen in Aussicht zu stellen.

In einem Wettstreit sollen die Probanden körperliche sowie geistige Stärke beweisen. Nur den vollkommensten unter ihnen kann es gelingen, genügend Blüten für die oberen Ebenen zu gewinnen. Jede der Proben stellt die Probanden vor schwierige Aufgaben und nicht wenige von ihnen werden ihre Sehnsucht nach der Sonne mit dem Leben bezahlen. Auch Juri hat eine der begehrten Blüten ergattert und begibt sich zum Wettstreit auf die oberen Ebenen...


Juri Pakskin:

Seit dem Tod ihres Vaters ist Juri vollkommen auf sich alleine gestellt. Mehr schlecht als recht schlägt sie sich durch ihr Leben, auch wenn sie mehr als viele andere ihrer Mitmenschen besitzt. Juri hat einen Job in der Leichenverbrennung. Jeden Tag fallen die Leichen aus den oberen Ebenen durch einen Schacht ganz nach unten. Sie sorgen dafür, dass sich Juri jeden Tag eine Handvoll gekochter Reiskörner leisten kann. Die Arbeit ist schweißtreibend und dennoch ist Juri mit ihrem Leben zufrieden. Ihre einzige Sorge gilt der sogenannten Knochenfresserkrankheit, die ab einem gewissen Alter alle Menschen der Ebene eins dahinrafft. Doch Juri ist jung und hofft, dass sie selbst noch viele Jahre von der schrecklichen Krankheit verschont bleibt.


Der erste Einstieg in die neue Dystopie von Kim Kestner ist wirklich krass. Das dystopische Setting ist glaubhaft und Kim Kestner hat gekonnt Themen aus japanischen Göttergeschichten darin eingearbeitet. Die unterirdische Höhle, in der die Menschen leben, ist hierarchisch aufgebaut und je weiter unten man lebt, desto niedriger ist auch der eigene gesellschaftliche Status. Alle Ebenen greifen dabei wie Zahnräder ineinander. Wenn eines davon im System nicht funktioniert, dann bricht alles zusammen. Das gesamte System fußt dabei auf dem Götterglauben an Amaterasu und ihrem Bruder Susanoo. Nur den Nachfahren der Sonnengöttin, ist es erlaubt, in ihrem Schein zu wandeln. Denn ganz oben lebt der Kaiser, ein direkter Nachfahre von Amaterasu, mit seinem Gefolge. Nur wenigen ist es überhaupt erlaubt, die oberen Schichten zu betreten, wo die Menschen in Wohlstand leben und keinerlei Gedanken an den nächsten Tag verschwenden.

Die Menschen auf Ebene eins leben dagegegen unter katastrophalen Umständen zusammen. Sie sind aneinander gepfercht in ihrem eigenen Unrat und jeden Tag werden Unzählige durch Hunger oder Krankheit dahingerafft. Die Atmosphäre ist beklemmend und die Armut der Menschen ist wirklich gut dargestellt. Und inmitten dieses Höllenpfuhls lernen wir Juri kennen. Ein Mädchen, das es allen Widrigkeiten zum Trotz geschafft hat, einen festen Job zu ergattern und sich deshalb nicht jeden Abend mit vollkommen leeren Magen schlafen legen muss. Um nicht unterzugehen, muss sie stark sein, sich gegen ihre Mitmenschen durchsetzen und kein Mitleid zeigen, auch wenn es ihr schwer fällt. Diese Stärke behält Juri auch im gesamten Verlauf der Geschichte bei. Dennoch ist sie bei weitem nicht perfekt und hat Ecken und Kanten, was sie mir als Hauptprotagonistin noch sympathischer gemacht hat. Durch Rückblenden gewährt die Autorin immer wieder Einblicke in Juris Vergangenheit, die deutlich machen, wieso sie sich für ein Leben als Einzelgängerin entschieden hat. Auch unter den Nebencharakteren finden sich interessante Charaktere, die die Geschichte allesamt zu etwas ganz Besonderem machen. Denn unter ihnen findet Juri wahre Freunde und Liebe, wo sie sie niemals für möglich gehalten hätte.

Der Schreibstil hat mir auf Anhieb sehr gut gefallen. Kim Kestner versteht sich wunderbar darauf, ihre Geschichte gekonnt zu inszenieren. Prägnant, auf den Punkt gebracht und ohne zu viele Schnörkel oder unnötige Details. Die Beschreibungen der einzelnen Handlungsschauplätze sind dennoch genau aber nicht so überladen, dass kein Platz mehr für die eigene Fantasie wäre. Die Seiten fliegen nur so dahin und schneller als gedacht war ich schon am Ende der Erzählung angelangt ;)

Mit ihrem neuen dystopischen Einteiler ist es Kim Kestner gelungen, mich auf ganzer Linie zu überzeugen. Eine packende Story mit glaubhaften Charakteren und einem authentischen Setting, die Themen wie Freundschaft, Liebe und Glauben aufgreift und in einem Wirbel aus Spannung miteinander verbindet. Mir hat „Sakura – Die Vollkommenen“ also wirklich gut gefallen. Bisher sind wir zwar erst im zweiten Quartal von 2017 unterwegs, aber die Geschichte hat schon jetzt absolutes Potential eines meiner Highlights dieses Jahr zu werden ♥

Kim Kestner ist Jugendbuchautorin und schreibt phantastisch-romantische Romane, die Herz und Verstand berühren. Die außergewöhnlichen Themen und die geschickt versponnene Handlung lieben ihre Leser dabei besonders. Der erste Teil der Zeitrausch-Trilogie wurde sicher auch deshalb mit dem Lovelybooks-Leserpreis ausgezeichnet. Zuvor studierte Kim Kestner visuelle Kommunikation und leitete eine Marketingagentur. Mit dem Schreiben begann sie erst 2010 - irgendwann zwischen dem Windelwechseln ihrer Zwillinge und der Sanierung ihres Hauses. Mittlerweile tragen die Zwillinge Jeans und das Haus ein Dach, unter dem die Familie samt Dackel namens Socke und einem Terrier, der glaubt >Pfui-aus< zu heißen, in der Nähe von Hamburg lebt. 



Vielen Dank an den Arena Verlag  für die Bereitstellung
dieses Rezensionsexemplars!

8 Kommentare:

  1. Das hört sich wirklich spannend an. Über japanische Götter habe ich noch nie etwas gelesen, meistens über griechische und dabei habe ich gemerkt, dass mir das total gut gefällt. Dieses System hört sich echt interessant an. Ich sollte das Buch wirklich mal lesen. :)

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    1. Hallihallo :)

      Ich kann es dir auf jeden Fall empfehlen, das Buch zu lesen! Mir hat es richtig gut gefallen und auch die japanischen Einflüsse waren richtig spannend.

      Liebe Grüße

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  2. Hallo Lisa,

    toll geschrieben und es freut mich, dass dir das Buch ebenso gefallen hat, wie mir. Die Atmosphäre und der Schreibstil sind einfach genial und ich kann es ebenfalls nur empfehlen zu lesen :)

    Liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Hallo Uwe :)

      Vielen lieben Dank! Die Geschichte war wirklich überzeugend und sowohl das Setting als auch die Atmosphäre haben mir ebenso gut gefallen. Ich freue mich schon auf weitere Bücher der Autorin ;)

      Liebe Grüße

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  3. Hallo^^

    Das Buch klingt wirklich interessant, wobei ich mich frage, was machen die Leute aus den oberen Ebenen, wenn es ganz unten keine mehr gibt O_o
    Den Titel muss ich mir auf jeden Fall notieren, auch wenn ich ihn nicht so schnell lesen werde^^°

    Lg,
    Kira

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    1. Huhu Kira!

      Im Buch klingt es immer so, als würden sich die hochwohlgeborenen Herrschaften darüber nicht wirklich den Kopf zerbrechen ;) Falls du das Buch liest, wünsche ich dir auf jeden Fall ganz viel Spaß mit der Geschichte!

      Liebe Grüße

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    2. Hallo hübscher Tiger ;-)
      ich versuche ja immer bei jeder Rezension das Besonderste zu finden und benennen. Bei Dir kann ich mich nicht auf eine Sache beschränken. Also ... (ein Mal tief Luft holen) Zunächst ist Deine Rezi wirklich lang. Ich finde es unfassbar, wie man so viele Worte finden kann, die es trotzdem auf den Punkt bringen. Ich war nicht mal in der Lage zwei Sätze für meine neuen Sneaker zu finden (amazon hat gemeint, mein Feedback sei zu kurz, da habe ich aufgegeben :D).
      Dann finde ich Deine Rezension einfach nur wunderbar zu lesen. Ein Fluss, dem man gerne folgt. Da schlummert schriftstellerisches Talent ;)
      Und die fünf Sterne zum Schluss machten es natürlich perfekt.
      Ganz lieben Dank dafür!
      <3 Kim

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    3. Hallo liebe Kim :)

      Danke für deinen Besuch und deine lieben Worte ♥ Ich gebe mir immer Mühe, die Bücher, die ich lese nicht nur mit ein paar Worten abzuspeisen. Immerhin haben sich alle Autoren und Autorinnen Mühe gegeben und doch ein paar mehr Sätze verdient, als "Ich mag das Buch!". Und danke danke danke für das riesige Kompliment am Ende. Es freut mich richtig, dass du meiner Rezension so gut folgen konntest und ich den Nagel auf den Kopf getroffen habe ;)

      Liebe Grüße

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