[Rezension] Wir waren hier von Nana Rademacher

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Titel: Wir waren hier
Autorin: Nana Rademacher
Verlag: Ravensburger
Erscheinungsdatum: 18. Januar 2016
ISBN-13: 978-3473401390
Preis: 14,99€ (Hardcover) und 12,99€ (eBook)
Seitenzahl: 352
Genre: Dystopie, Jugendbuch
Leseprobe: hier




Im Jahr 2039 ist Berlin von Bomben zerstört. Die Menschen leben in Angst, haben Hunger und viele von ihnen haben unter der strengen Militärregierung ihren Lebenswillen verloren. Sie werden überwacht, kontrolliert und wer sich in offener Kritik am Regime übt, wird gnadenlos verfolgt und beseitigt. Und doch gibt es noch Menschen, wie die 15-jährige Anna, die einen Weg gefunden haben, mit der Außenwelt zu kommunizieren und mit ihrer Meinung nicht hinter den Berg halten. Anna schreibt einen Blog über ihr Leben und ihren Alltag. Über ihre Familie und Freunde und die Zustände in Berlin. 

Nie hätte sie gedacht, mit ihren Gedanken einen anderen Menschen zu erreichen und doch sind sie auf einmal da, die Kommentare von Ben aus Hamburg, der Anna versteht, sie zum Lachen bringt und ihr Hoffnung in einer sonst trostlosen Welt schenkt. Ben schleicht sich immer mehr in ihr Herz und als er schließlich ein Treffen in Berlin vorschlägt, stimmt Anna voll Freude zu. Doch eigentlich kennt sie Ben gar nicht. Wer also steckt wirklich hinter den geheimnisvollen Kommentaren?



Anna:

Anna ist 15 Jahre alt und lebt gemeinsam mit ihren Eltern in Berlin, wo nach dem verheerenden Krieg nichts mehr so ist, wie früher. Um ihre Familie zu versorgen, macht sich Anna jeden Tag mit ihrer Freundin Luki auf die Suche nach Nahrungsmitteln und anderen nützlichen Dingen, doch es scheint nie genug zu geben.

Ben:

Ben lebt mit seinem älteren Bruder in Hamburg, wo die Situation ähnlich verzweifelt ist, wie in Berlin. Seine Eltern sind beide schon lange tot und seinen jüngeren Bruder hat die Militärregierung geholt, nachdem er genau wie Anna einen Blog geführt hat – mit Hetzreden und kritischen Beiträgen über das Regime.


Nana Rademacher hat eine bedrückende, realistische Zukunftsvision geschaffen, in der die Welt vom Krieg gezeichnet ist und die Menschen am Limit leben. Der Tod ist allgegenwärtig, die Bewohner Berlins leiden Hunger und Durst, da sie nicht einmal das Nötigste zum Überleben haben. Inmitten dieses trostlosen Szenarios lebt Anna, die es tatsächlich geschafft hat, ihren Blog online zu schicken.
 
In ihrem Blog erzählt sie von ihrem Leben und in jedem ihrer Sätze wird deutlich, wie abgestumpft sie durch die harten Lebensumstände schon ist. Um sich selbst zu schützen, sind ihre Einträge emotionslos und wirken stets weit vom Geschehen entfernt, als wolle sie die schrecklichen Ereignisse erst gar nicht näher an sich heranlassen. Als die Kommentare von Ben auftauchen kehrt ein bisschen Hoffnung in Annas Welt zurück und die beiden verabreden sich zu einem ersten Treffen in der Stadt.

Die gesamte Geschichte ist düster und trotz der Liebesgeschichte zwischen Anna und Ben durchgehend kalt und hoffnungslos. Immer wieder wird der Leser mit dem Leid der Menschen konfrontiert. Annas Erzählung entwickelt einen Sog, allerdings nicht auf eine gute Art und Weise. Eher auf die Art, die einen daran hindert, in Horrorfilmen wegzusehen, auch wenn von Anfang an klar ist, dass genau diese Bilder eine schlaflose Nacht verschulden werden. 

Das Buch ist flüssig geschrieben und lässt sich leicht lesen, allerdings hatte ich besonders zu Beginn Probleme mit Annas Blogeinträgen, in denen sie teilweise komplette Sätze groß- oder kleinschreibt, um besondere Aspekte hervorzuheben. An und für sich hat mir die Idee mit den Einträgen allerdings gut gefallen und ich hätte Annas Leben in Berlin nach dem Krieg gerne weiterverfolgt. Ich hatte mir Infos über die Hintergründe des Kriegs und die neue Regierung gewünscht, doch stattdessen wechselt der Handlungsort nach dem ersten Drittel des Buchs. Noch immer erzählt Anna ihre Geschichte, nun allerdings nicht mehr in Blogeinträgen.

Immer wieder haben mir auch im weiteren Verlauf ein paar Hintergrundinformationen gefehlt. So bleiben auch die Figuren, allen voran Anna und Ben, leider doch zeitweise blass und etwas unnahbar. Obwohl ich Annas Geschichte gerne verfolgt habe, ist auch das Ende leider etwas knapp und zu schwach ausgefallen. Besonders mit dem Epilog der Geschichte hatte ich Probleme, denn er stellt die gesamte vorhergegangene Handlung noch einmal infrage. 

Die Autorin spielt immer wieder mit den Gedanken ihrer Leser und am Ende ist es schwer, die Realität des Buchs von der Fiktion zu unterscheiden. Was ist Anna wirklich passiert, was nicht? Welche Erlebnisse sind ihrer Fantasie entsprungen, was hat sie wirklich erleiden müssen? Besonders das Ende lässt mich mit einigen Fragezeichen zurück, sodass mich Nana Rademachers Geschichte wohl in Gedanken noch eine Weile begleiten wird. Insgesamt eine vielversprechende Idee für eine Dystopie, leider etwas schwach umgesetzt und nicht unbedingt ein Buch für zartbesaitete Leser.    


Nana Rademacher wurde 1966 geboren. Nach einem Sozialpädagogik-Studium in Bielefeld arbeitete sie zunächst in Hamburg als Lektorin und Regieassistentin, später in der Redaktion für Hörspiel, Feuilleton und Musik beim Südwestrundfunk. Neben dem Kriminalroman "Seelenruh" (2009) ist sie vor allem für ihre Jugendbücher wie "Immer diese Herzscheiße" (2017) bekannt. Heute lebt sie in Stuttgart und arbeitet als freie Autorin.


2 Kommentare:

  1. Hey meine Liebe,

    das Cover habe ich schonmal gesehen, aber ich hätte jetzt nicht mit diesem Inhalt gerechent. Deine Rezi ist wirklich toll geworden, wenn ich mir nach dieser auch sicher bin dass ich dieses Buch wohl eher weniger lesen werde. So richtig traurige und düstere Kost ist einfach nichts für mein Gemüt, gerade bei dieser kalten und dunklen Jahreszeit. :P

    Liebe Grüße, Ruby

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    1. Huhu Ruby :)

      Mich hat das Buch inhaltlich auch etwas überrascht und so ganz warmgeworden bin ich mit dem düsteren Setting leider auch nicht. Dennoch eine interessante Leseerfahrung!

      Liebe Grüße

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